Siegen-Eiserfeld. (ng) "Es scheint, dass die Vereinsziele zunehmend den Essgewohnheiten der Vorstandsmitglieder angepasst werden", meinte gestern Jürgen Foß. Der Noch-Geschäftsführer des Siegener Tierschutzvereins hatte zur Pressekonferenz eingeladen, um seine Position im schwelenden Konflikt darzulegen.
Foß, der seine Stelle zum 30. September gekündigt hat und zur Zeit beurlaubt ist, wirft dem Vorstand vor, das Satzungsziel "Umfassender Schutz aller Tiere" nicht mit der nötigen, auch persönlichen, Konsequenz zu betreiben. Im Klartext: Dass in den Beirat des Tierheimes ein aktiver Jäger berufen wurde, hält Foß für eine unerträgliche Inkonsequenz. Der Deutsche Tierschutzbund habe sich ganz klar gegen Vorstandsmitglieder ausgesprochen, die zur Jägerei gehörenn, führte er gestern aus. Allerdings: Beirat und Vorstand sind verschiedene Gremien.
Foß sieht den Verein in der Pflicht, "über alle tierschutzrelevanten Themen aufzuklären, gleich ob es um Wildtiere im Zirkus, das Leid der Pelztiere, Schlachttiere oder um Tierversuche geht". Dass der Vorsitzende des Vereins, Horst Reimann, und sein Vorstand bei dieser - je nach Standpunkt - radikalen oder konsequenten Linie inzwischen nicht mehr voll mitziehen mögen, ist die eigentliche Ursache des Konflikts.
Das Pressegespräch fand in einem Sitzungsraum der Eiserfelder Firma "Dr. Baumann Cosmetics GmbH" statt, deren Geschäftsführer, Dr. Ernst Walter Henrich, bis vor zwei Wochen noch der Hauptsponsor des Tierheims war. Henrich hatte die Hälfte des Foß-Gehalts gezahlt und sich auch auf anderen Gebieten, etwa bei der Anschaffung eines Tierschutz-Mobils, finanziell engagiert.
"Nichts zu tun mit anonymer Anzeige"
Mit der anonymen Anzeige gegen Reimann. (siehe WR-Bericht vom 9. August) wollen weder Foß noch Henrich etwas zu tun gehabt haben. "Dass ist ja nicht nur unangenehm für Herrn Reimann, sondern auch schädlich für meine Sache", meinte Foß, "weil sie die Aufmerksamkeit vom eigentlichen Thema, der Notwendigkeit des umfassenden Tierschutzes, ablenkt."
Auf einer heute stattfindenden Sitzung soll der Konflikt geklärt werden. Foß fordert offen den Rücktritt Reimanns und will selbst Vorsitzender werden. Sollte dem nicht stattgegeben werden, will er versuchen, den Wechsel durch eine außerordendliche Mitgliederversammlung zu erreichen. "Es geht mir nicht um den Posten, sondern um die Tiere", betonte er gestern.
Foß wie Henrich sind strenge Vegetarierer; Reimann nicht, obwohl er "Vegetarismus eigentlich gut" findet. Vegetarierer sind inzwischen auch die Hunde, die im Siegener Tierheim versorgt werden. Bei den Katzen allerdings hat die Umstellung auf fleischlose Kost nicht funktioniert. Foß betonte, die fleischlose Hundekost solle laut Vorstand auch nach seinem Weggang weiter gefüttert werden.