von Brigitte Sinstedten Eine besorgte Lesermeinung zur Tötung des umherirrenden Wolfes Es ist immer wieder erschreckend festzustellen, wie unkompetent und unsensibel unsere sogenannte hochzivilisierte Gesellschaft auf Probleme wie zum Beispiel dem herumirrenden Wolf reagiert.
Ich werde sicherlich nun den Argwohn des Hundbesitzers, dessen Tier getötet wurde, sowie eines jeden Hundehalters auf mich ziehen, aber Realität ist nun einmal, dass die vom Menschen erschaffenen, zum größten Teil in der Natur überlebensunfähigen, Hundezüchtungen von ihrem großen Bruder, dem Wolf abstammen.
Leider, wenn streunde Hunde die Gegend unsicher machen, diese irgendwelche anderen Tiere verbeissen oder töten, wird nicht ein so grosser Aufschrei durch die Bevölkerung gehen. Mit anderen Worten: Schreit jemand Hund, bleibt alles still! Das Schlimmste, das passieren wird: Der Besitzer der streunenden Tieres wird per Gerichtsbeschluss zum Ersatz der Sache Tier aufgefordert. Der Hund selber wird nicht erschossen.
Schreit jemand dagegen Wolf, kommen direkt die Märchen der Gebrüder Grimm über den "bösen Wolf" zum Vorschein und von allen Seiten wird nach der Tötung des ach so gefährlichen Raubtieres geschrien!
Ich habe für Jahre mit meinem indianischen Ehemann auf der Lac Courte o'Reilles Indian Reservation im Staate Wisconsin, USA gelebt. Dort gibt es neben Schwarzbären, Luchsen, Wildkatzen, Ottern usw. auch Wölfe. Diese Wölfe stellten nie ein Problem auf der Reservation dar, weil diese Tiere in der Regel sehr scheu sind; vor allem dann, wenn es sich um ein einzelnes Tier handelt. Das Problem mit den Schwarzbären war da viel realer, da diese gerne um die Häuser auf der Suche nach essbaren herumstreunen.
Aber auch diese Tiere, auch wenn sie mehrfach sehr nahe beim stammeseigenen Jugendclub gesichtet wurden, wurden nicht einfach abgeknallt da sie ein Gefahrenpotential für Menschen darstellten. Sie wurden anhand von Ködern in Fallen lebend eingefangen und tief in den Wäldern Wisconsins wieder freigelassen.
Nun könnte man argumentieren, dass unsere Wälder nicht so gross sind. Das ist nicht der Punkt! Der Punkt ist, dass man sehr wohl auf Tierpark-Experten hätte hören können und diesen Wolf mit Ködern, Fallen und Betäubungsgewehr einfangen und wieder zurück in sein angestammes Gehege hätte bringen können. Die Tatsache, dass es ein in Gefangenschaft geborenes Tier war hätte dies noch erleichtert.
Die Inkompetzen der Behörden zeigte sich ja schon als man versucht hat mit Hundertschaften von Polizeibeamten dieses Tier zu jagen und aufzustöbern. Entschuldigung meine Herr, haben Sie sich schon einmal Tiersendungen über Wölfe angesehen? Dort wird immer erklärt, das Wölfe sehr scheue Zeitgenossen sind, die wenn möglich den Menschen in jeder Beziehung meiden.
Es zeigt sich immer wieder, dass bei einem nicht domestizierten Raubtier das frei herum läuft die Gesetze des Artenschutzes scheinbar nicht gelten! Wäre es ein streunder Hund gewesen der den Pitscher gerissen hätte und deswegen erschossen wurde, würde jetzt warscheinlich der Deutsche Tierschutzverband den Aufstand proben! Dabei stellen doch streundende Hunde ein viel grösseres Gefahrenpotential dar als ein einzelner Wolf.
Mal ehrlich, wieviele unsere hündischen Hausbewohner stellen sich als miseralbe, auf die Nerven gehende kleine Kläffer heraus, sobald sie an der Leine des Besitzers Gassi gehen oder sich in deren Gärten und Häusern befinden. Ich denke, die Zeitungszusteller und Postboten können ein Lied davon singen. Leider ist das Leben dieses Wolfes nicht mehr zu Retten. Für die Zukunft würde ich mir jedoch mehr Sensibilität, Einfallsreichtum und Zusammenarbeit mit Behörden und Experten wünschen, damit eine unnötige Tötung eines von der natur geschaffenen Tieres nicht mehr vor kommt.
Die Entschuldigung der Polizei, das Tier hätte auch Menschen gefährlich werden können und es sei deshalb erschossen worden, ist für mich sehr weit daher geholt. Der Wolf hat doch den Rentner, dessen Pintscher gerissen wurde gar nicht beachtet, obwohl er genügend Zeit gehabt hätte auch diesen anzufallen. Ganz im Gegenteil, er ist noch vor ihm davon gelaufen. Aber damit kommen wir wieder zum Anfang dieses Artikels. Die Märchen der Gebrüder Grimm vom "Rotkäppchen und dem bösen Wolf"....