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Stern TV filmte verdeckt und erweckte den Eindruck, in Bönen wären "scharfe" Schäferhunde zu haben Züchter fühlte sich falsch wiedergegeben und schaltete Anwalt ein - Erster Teilerfolg zu vermelden BÖNEN · Bönen kommt ins Fernsehen, doch Anlass zur Freude bietet der TV-Auftritt nicht. Im Gegenteil. "Beißattacken - wie gefährlich ist der Deutsche Schäferhund?" lautete das Thema in Stern TV am 20. Oktober. Dazu hat sich das Team von Moderator Günther Jauch in der Gemeinde umgesehen. Incognito, und unter einem Vorwand. Das Ergebnis sorgt für empörte Aufschreie bei Hundehaltern - und für einen Rechtsstreit zwischen Züchter Herbert Grün (Name geändert) und Stern TV.
Grün war ohne sein Wissen mit versteckter Kamera gefilmt worden. Er ist seit 25 Jahren Mitglied im Verein für Deutsche Schäferhunde e.V. an der Friedhofstraße, übt mehrere Ehrenämter im Verein aus und züchtet seit zehn Jahren Deutsche Schäferhunde. Laut Grün fanden ihn die Fernsehmänner über das Internet. "Sie gaben vor, einen Hund zum Schutz für ein großes Haus und Grundstück in Afrika zu suchen", erinnert er sich. Er habe daraufhin einen Schutzhund angeboten. "Diese Hunde sind nicht aufs Zubeißen ausgebildet", stellt Grün heraus.
Durch das verdeckte Vorgehen des TV-Teams fühlt er sich getäuscht, in dem Beitrag sieht er sich falsch wiedergegeben und den Verein in seinem Ansehen geschädigt. Grün und andere Mitglieder erhielten anonyme Anrufe mit teilweise wüsten Beschimpfungen. Umgehend schaltete der Züchter einen Anwalt ein. Die zusammen geschnittene Wiedergabe stelle Grün als eine Person dar, die Hunde auf Menschen abrichte, was tatsächlich aber nicht der Fall sei, heißt es in einem Schreiben des Juristen an Stern TV. "Der Zusammenschnitt ist bewusst so zum Nachteil meines Mandanten gewählt worden, um eine Attraktivität des Beitrags zu erreichen", so der Anwalt.
Zum Leidwesen des Vereins ist der Name in dem Beitrag lesbar. Und Grün glaubt sich deutlich erkennbar, obwohl sein Gesicht abgedeckt ist. Die Stimme ist verfremdet; ob es sich um Originalzitate oder um geschnittenes Material handelt, ist nicht erkennbar. Einiges, was laut Grün für Tier und Ausbildung völlig normal ist, wird in dem Beitrag als bedrohlich dargestellt: Die Zähne des Hundes sind kurz groß zu sehen, das Training mit einem Mann im Schutzanzug suggeriert Angriffslust. Nach wenigen Minuten bleibt der Eindruck: In Bönen ist ein "scharfer" Schäferhund zu haben.
Ein Eindruck, dem nicht nur Grün, sondern auch der Hundesportverein Bönen e.V. von der Bachstraße energisch widerspricht. "Wir distanzieren uns von solchen Methoden", erklärt der zweite Vorsitzende Dieter Dippel. "Wir erziehen die Hunde sozialverträglich." Wer sich von seinem Verein ein Bild machen möchte, kommt heute ab 15 Uhr zum Tag der offenen Tür an die Bachstraße.
Einen Teilerfolg hat Grün unterdessen erzielt: Gestern erklärte sich Stern TV gegenüber seinem Anwalt bereit, den Beitrag nicht noch einmal zu senden. Geschieht dies doch, werden 10 100 Euro Strafe fällig. · oz