Arbeitslose geben Vierbeiner aus sozialer Not ab / Kosten steigen deutlich Die Tierheime in Sachsen quellen über. Seit der Zusammenlegung von Arbeitslosen- und Sozialhilfe zum neuen Arbeitslosengeld II zu Jahresbeginn werden verstärkt Tiere aus sozialer Not abgegeben oder ausgesetzt. Dies ergab eine Umfrage unter Tierschutzvereinen und Tierheimen im Freistaat.
Die Kosten für Unterbringung, Pflege und vor allem medizinische Betreuung der Tiere schnellen dort in die Höhe. Die Vereine sind zumeist auf Spenden angewiesen und die gehen zurück. Nur bei gefundenen Tieren kommen die Kommunen auf. Fast täglich müssen die Heime mehr Hunde und Katzen aufnehmen, als sie vermitteln können. Allein im Heim des Tierschutzvereins Delitzsch wurden in der letzten Zeit 14 Hunde abgegeben, meist ältere Vierbeiner. „Es sei kein Geld mehr fürs Futter da, wurde oft von den Besitzern als Grund angegeben“, sagte Tierheimleiterin Gudrun Bernhardt. Folglich könne man auch kaum einen Obolus für die späteren Unkosten von den Tierbesitzern erwarten.
Problemfall ältere Hunde „Inzwischen müssen wir etwa 70 Hunde versorgen, darunter etwa 40, die älter als zehn Jahre sind. Die sind schwer vermittelbar und brauchen öfter einen Arzt. Der kostet natürlich und die Medizin kostet auch“, sagte die Tierheimchefin. Selbst eine seit 2004 laufende Aktion der Stadt habe bislang nichts genutzt, wonach jedem Tierfreund, der einen älteren Hund abholt, die Hundesteuer erlassen wird. Auch im Heim des Tierschutzvereins Dresden 1839 – nach eigenen Angaben der älteste in Deutschland – nimmt die Zahl von Hunden und Katzen zu. „Da wird vielfach Finanznot angegeben, aber manchmal sind es auch Gründe wie Allergien oder Krankheit“, sagte Vereinschefin Angelika Krauß. „Wenn in nächster Zeit viele Arbeitslose auch noch umziehen müssen, werden wir uns vor Tieren wohl nicht mehr retten können. Vie le Vermieter lehnen Tiere in Wohnungen ab. Dann müssen wir Wände aus Gummi haben.“ Die Vorsitzende des Tierschutzvereins Zwickau und Umgebung, Heide Seidel, beobachtet bereits seit Mitte Dezember, dass zunehmend Hunde wie Katzen im Heim landen. „Das hat nicht nur etwas mit Weihnachten zu tun“, sagte sie. Es sei bei dem Trend geblieben. Besonders ältere und oft kranke Vierbeiner wurden ins Tierheim Vielauer Wald gebracht. „Sowohl ausgesetzt, als auch abgegeben. Die Tiere sind – wie die Menschen – in einer verzweifelten Lage.“ Gegenwärtig müssen 40 Hunde von klein bis groß versorgt werden, auch zahlreiche Katzen. „Ich frage mich, wo ist das Ende der Leine.“
Angeleint und in Pappkartons Im Vogtland haben die Heime vor allem mit ausgesetzten Tieren zu tun. Die stünden angeleint an Laternen und Bäumen oder in Pappkartons vor der Tür, sagte Ursula Reinhold vom Tierschutzverein Auerbach. „Zum Glück wurden wir bisher von Abgabetieren verschont. Wenn aber die Welpenwelle losgeht, wird es uns wohl auch treffen.“ Auch Regina Jahner vom Tierheim Görlitz „Krambamboli“ sagte: „Hartz IV wird auf uns voll durchschlagen.“