Vor fünf Jahren ist die Kampfhundeverordnung in Kraft getreten. Danach muss jeder Kampfhund einen Maulkorb tragen, es sei denn, er besteht einen Wesenstest. Doch der bietet letztlich keine 100-prozentige Sicherheit, denn es kommt immer wieder mal zu Übergriffen von als verlässlich eingestuften Hunden. Wir sprachen mit Ulrich Reidenbach, Vorsitzender des Landesverbandes für Hundewesen.
Ω Für wie sinnvoll halten Sie die neue Kampfhundeverordnung? Ulrich Reidenbach: Es gab schon immer die Möglichkeit von Seiten des Gesetzes, entsprechende Hundehalter zu bestrafen. Aber die Gesetze wurden nicht ausgeschöpft. Der Angriff etwa auf den Jungen in Hamburg hätte verhindert werden können, denn der Hund war aktenkundig. Die alten Vorschriften hätten ausgereicht, wenn man strenger vorgegangen wäre und beim Haltungsverbot härter durchgegriffen hätte. Ω Es gibt aber auch Kampfhunde mit bestandenem Wesenstest, die plötzlich zupacken. Warum passiert so etwas? Reidenbach: Die Prüfungen bei den Ordnungsämtern sind nur Momentaufnahmen, auch die Hunde haben ihre guten und schlechten Tage. Andererseits berichten auch Hundehalter, dass der Prüfer mit einem Schirm fast auf den Hund eingeschlagen hätte. Das ist nicht normal, so eine Prüfung kann fast kein Hund bestehen. Ω Wie ist der Gefahr denn beizukommen? Nutzt doch nur ein Verbot? Reidenbach: Mit einem Verbot von drei, vier Rassen kriegen wir das nicht in den Griff, weil sich die kranken Gehirne dann eine andere Rasse suchen. Fast jeder Hund mit entsprechender Größe und Körperkraft kann abgerichtet werden. Wir können doch nicht 200 von 330 Hunderassen verbieten. Wir müssen die Menschen bestrafen. Ω Wird ein aggressives Tier getötet? Reidenbach: Nach der Gesetzesneuordnung wurden sehr viele Hunde beschlagnahmt. Die Tötung wurde angeordnet, aber die Amtsveterinäre haben sich geweigert, sofern nicht sicher war, dass das Tier gefährlich ist. Zeigt der Hund normales Revierverhalten, so ist dies keine Aggressivität im engeren Sinne. Es hat damals ein wahres Tauziehen gegeben. Ich glaube aber, es waren weniger als 50 Prozent, die tatsächlich getötet wurden. Der Rest der Hunde wurde auf Tierheime verteilt, auch wenn sich viele weigern, weil sie absolut überfüllt sind. Bei uns im Verein ist die Zahl der betroffenen Rassen um 80 Prozent zurück gegangen. Ω Wie könnte man der Problematik beikommen? Reidenbach: Die Neuordnung war ein Schnellschuss, um die Wogen zu glätten. Die Rassenlisten, die Hunde nach ihrer Gefährlichkeit einordnen, müssen verschwinden, und der Einzelfall muss bestraft werden. Ω Leiden alle Hundehalter unter diesem Image? Reidenbach: Die Akzeptanz wird besser, die Menschen gehen wieder sachlich mit dem Thema um. Aber es ging auch schon so weit, dass auch Halter von kleinen Hunden bespuckt, getreten und geschlagen wurden. Eine Umfrage hat ergeben, dass nur sechs Prozent der Bevölkerung Hunde nicht mögen.