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Stadt Mainz will mit "Projekt Dog" Geld eintreiben / Geschätzte 1200 Vierbeiner nicht angemeldet
Ein Hund mit Steuermarke. Damit soll bald jeder Vierbeiner in Mainz ausgestattet sein. dpa Vom 15.11.2004
MAINZ (dpa) Die Mainzer gehen vor die Hunde - um sie zu zählen. Im Auftrag der Stadt wandern Langzeitarbeitslose in einem zweijährigen Projekt von Tür zu Tür und fragen nach steuerpflichtigen Vierbeinern in den Haushalten. Grund sind geschätzte 1200 nicht angemeldete Hunde und mögliche resultierende Steuerausfälle von bis zu 118 000 Euro im Jahr. Mit der Aktion wird beiden Vertragspartnern geholfen: Die Stadt kommt langfristig, auch mit Hilfe der eigenen Steuerfahndung, an ihr Geld und die Arbeitslosen haben vorübergehend wieder einen Job. Auf den ersten Blick scheint ihre Arbeit langweilige Routine: "Guten Tag. Wir kommen im Auftrag der Stadt Mainz. Haben Sie Hunde in Ihrem Haushalt?" Der 59-jährige Hans-Jürgen Kruchem und sein Kollege Wilfried Zobel erleben jeden Tag neue Kuriositäten. Denn mit dieser simplen Frage sorgen sie oft für Verwirrung. "Manch einem merkt man die Nervosität richtig an", sagt Zobel. Langjährige ordentliche Hundebesitzer seien häufig verunsichert. "Der ist doch angemeldet, sagen sie dann", berichtet Zobel. Rund 100 000 Haushalte sind auf der Liste geführt, die er und seine Kollegen von der Stadt bekommen haben - mit und ohne Hund.
Kruchem, Zobel und ihre Kollegen der Arbeitslosen-Selbsthilfe-Mainz (ASM) dürfen nicht mehr machen, als ihre Standardfrage zu stellen und die Antwort "Ja" oder "Nein" in ein Feld zu übernehmen. Nachhaken, ob ein im Hintergrund bellender Vierbeiner vielleicht doch zum Haushalt gehört, ist ihnen als Zuarbeiter nicht gestattet. "Wir und die Steuerbehörde erfahren das auch anders", sagt Kruchem. "Die Nachbarn erzählen uns schon alles." Einmal habe an einem Hochhaus eine Bewohnerin das Klingelbrett inspiziert und bereitwillig Angaben zur Hundebevölkerung in dem Gemeinschaftsanwesen gemacht.
Solche Angaben über Dritte interessieren die Mitarbeiter der städtischen Steuerverwaltung. "Wir sind verpflichtet, jedem Hinweis nachzugehen", erklärt ihr stellvertretender Leiter, Harald Thiel. Ein Hund, das bedeutet für die Stadtkasse eine Zusatzsteuer von 98,16 Euro pro Jahr. "Ertappte müssen die Steuer nachzahlen", sagt Thiel. "Unsere Ermittler prüfen außerdem, ob die Steuerhinterziehung bewusst geschah. Dann droht ihnen auch ein Ordnungswidrigkeitsverfahren."
Die Tour durch die 15 Mainzer Stadtteile bietet den geringfügig Beschäftigten der intern "Projekt Dog" genannten und seit zwei Monaten laufenden Aktion das pralle Leben: Unangenehm wird es nicht nur wegen des Anblicks manch nackter Tatsachen an der Haustür, sondern auch wegen Verwechslungen. "Wir werden schon mal als Drückerkolonne wahrgenommen", berichtet Kruchem.
Ein von der Stadtverwaltung ausgestellter Ausweis sorgt bei von Handwerkern besuchten Einfamilienhäusern gelegentlich für panisch zugeschmissene Türen. "Dabei fragen wir nur nach Hunden und nicht nach Schwarzarbeitern", wundert sich der langjährige ASM-Mitarbeiter. Bleibt die Tür verschlossen informieren sie mit einem Informationsblatt über die Steuerpflicht von Hundebesitzern - eine Anmeldung inklusive.