VON INGRID KUHN Raisting - Beim Streit um die Schafhalter-Prämie aus dem EU-Topf soll ein Schäfer aus Raisting Mitarbeiter des Landwirtschaftsamtes Weilheim nicht nur beleidigt, sondern auch die Hunde auf sie gehetzt haben. Gegen einen Strafbefehl über 580 Euro Geldstrafe wegen Beleidigung und Widerstand gegen Beamte legte der 49-Jährige vor dem Weilheimer Amtsgericht mit Erfolg Einspruch ein: Das Verfahren wurde gegen eine Geldbuße von 450 Euro eingestellt.
Vor zwei Jahren beantragte der Angeklagte für 142 Tiere eine Schafhalter-Prämie über rund 4000 Euro. Um zu überprüfen, ob die angegebene Zahl der Schafe im Antrag auch den Tatsachen entsprechen, nimmt das Landwirtschaftsamt jedoch Stichproben vor. "Für unsere Kontrolle am 21. März 2003 hatten wir uns bei dem Angeklagten entgegen der üblichen Praxis sogar angekündigt", berichtete der Mann vom Landwirtschaftsamt. Doch als er und sein Kollege auf dem Hof in Raisting ankamen, war der Schaferer nicht zu Hause. "Wir sind deshalb in den Stall und haben die Schafe gezählt", so der Beamte. Und kamen zu dem Ergebnis, dass nicht 142 - wie im Antrag angegeben - sondern nur 134 Schafe vorhanden waren. "Erst jetzt kam der Angeklagte nach Hause und wurde wütend, als wir ihm sagten, dass er für acht Schafe zu viel Prämie beantragt habe." Der Beamte könne sich den Antrag "zwischen die Arschbacken schieben", habe der Raistinger geschimpft. Unter weiteren Beleidigungen forderte der Schaferer die Beamten auf, sofort seinen Hof zu verlassen, sonst würde er die Hunde auf sie hetzen. "Wir versuchten, ihn zu beschwichtigen, aber der Mann öffnete seinen Zwinger", so der Beamte. Mindestens fünf Schäferhunde hätten sich kläffend auf die Beamten gestürzt, die sich ins Auto retteten und die Flucht ergriffen.
Schafhalter angeblich
von Beamten beleidigt
Der Raistinger beschwerte sich, dass der ihm unbekannte Landwirtschaftbeamte sich nicht ausgewiesen habe und ihn einen "dummen Bauern" geheißen habe. Schon beim Hochwasser habe er 50 Schafe verloren, und beim Zählen der Schafe durch die Beamten hätten sich weitere Lämmer die Haxen gebrochen. Der Schaferer jammerte über seine wirtschaftliche Lage: "Ich kann mir einen Strick kaufen und mich aufhängen", nicht mal seine Sozialversicherung könne er zahlen."
Der Verteidiger lieferte sich mit Richterin Ulrike Fürst einen juristischen Schlagabtausch, der in eine Verfahrenseinstellung gegen 450 Euro Geldbuße mündete. Außerdem wurde dem Raistinger noch zur Auflage gemacht, sich bei den Landwirtschaftbeamten schriftlich zu entschuldigen. Die Schafhalter-Prämie für das Jahr 2003 wurde dem Schäfer zudem nicht ausbezahlt.