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Wesenstest für zuletzt aggressive Hunde im Tierheim Süderstraße
Bei Babygeschrei rastet "Sugar" aus. Mit einem mächtigen Satz ist er am Kinderwagen. Die Karre droht zu kippen. Nur mit Mühe kann der bereits über zwei Leinen gehaltene Pitbull-Mischling zurückgezerrt werden. Die Szene spielte sich am Montag nachmittag im Tierheim Süderstraße ab. Vier Hunde wurden getestet, darunter Schäferhund "Krümel", der in Rahlstedt vor knapp zwei Wochen der sechsjährigen Loury ins Gesicht gebissen hatte, und der Hovawart "Arpad vom Blütenmeer", der ein paar Tage zuvor am Billwerder Billdeich eine Joggerin (43) angefallen hatte.
Bei dem Test werden verschiedene Situationen nachgestellt. Mal wird das Herrchen, dann der Hund bedrängt. Mitarbeiter des Tierheims mimen Betrunkene, radeln dicht am Hund vorbei oder stürzen sich direkt vor dem Tier zu Boden. Auch eine "Fahrstuhlsituation" wird simuliert. Dabei stellen sich mehrere Personen dicht um den Hund herum.
"Sugar" zeigt sich als besonders unberechenbar. Während der Kampfhund in einigen Situationen recht teilnahmslos reagiert, wird er in anderen Situationen zur rasenden Beißmaschine. Dabei versucht er, sich mit den Pfoten den ledernen Maulkorb abzustreifen. Drei Tierheimmitarbeiter sind nötig, um den Hund zu bändigen. Die drei anderen Hunde wirken dagegen lammfromm. Das täuscht darüber hinweg, daß sie alle nach Beißvorfällen sichergestellt wurden.
Ob und welche der vier Hunde des Wesenstest bestanden haben, wird nicht sofort mitgeteilt. Die Prozedur ist auf Video festgehalten und wird noch einmal ausgewertet. Das Herrchen von "Krümel", ein Polizist, ist zunächst mit seinem Hund zufrieden. Er ist der einzige Halter, der seinen Hund durch den Wesenstest begleitet hat. Nicht mal einen Leinen- oder Maulkorbzwang könnte er sich für seinen Hund vorstellen. Lieber würde er nach Schleswig-Holstein ziehen, sagt er.
Bei "Sugar" dagegen scheint der Fall klar - glaubt man. Tatsächlich ist der Kampfhund schon mehrmals durch den Wesenstest gefallen. Der Besitzer, der den Hund vier Wochen vor der Sicherstellung gefunden haben will, klagte erfolgreich gegen eine drohende Einschläferung des Hundes. Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht hatte eine Wiederholung des ersten Wesenstests angeordnet, der im April 2004 mit negativem Befund durchgeführt worden war, weil der Hund in Abwesenheit des Halters getestet wurde. "Sugar" lebt seitdem im Tierheim Süderstraße. Rund 7500 Euro hat seitdem die Unterbringung gekostet. 4000 Euro davon stammen aus Steuermitteln. zv