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Wesenstest für die Besitzer gefordert - Befürworter der gefährlichen Rassen gehen auf den Deutschen Schäferhund los
Von unserem Redaktionsmitglied Roland Ströbele
Neu-Ulm/Senden
Für die einen sind es lammfromme und kinderliebe Spielgefährten, für die anderen blutrünstige und beißwütige Bestien. Die Rede ist von Kampfhunden. die seit Jahren wegen ihrer nicht selten tödlichen Attacken gegen Mensch und Tier in Bayern verboten sind, wenn sie zu der höchst gefährlichen Kategorie 1 zählen. Nachdem einem leitenden Angestellten der Stadt Senden sein American Staffordshire weggenommen worden ist, laufen die Besitzer solcher Hunde Sturm und versuchen ihrerseits, den Deutschen Schäferhund in eine bösartige Ecke zu stellen. Gegner der muskelbepackten Kampfhunde fordern dagegen einen "Wesenstest" für die Halter solcher Killermaschinen: "Die Halter gehören besser erzogen".
Die Diskussion um die Kampfhunde und deren Verbot in Bayern ist nicht neu, jetzt aber n wieder aufgeflammt, weil das Ordnungsamt der Stadt Senden einem leitenden Angestellten die vor Jahren widerrechtlich erteilte Erlaubnis zum Halten eines American Staffordshire wieder entzogen hat (NUZ berichtete). Dessen Hund habe - so berichtete eine empörte Leserin der NUZ, inzwischen im Tierheim Nürtingen die Wesensprüfung" bestanden, was dem Besitzer aber nicht viel nützen dürfte: In Bayern ist darf diese Rasse seit 19972 nur unter sehr strengen Bedingungen gehalten werden. Diese aber erfüllt der Angestellte nach Auffassung des Sendener Ordnungsamtes und des Verwaltungsgerichtes Augsburg eben nicht.
Immer wieder sorgen die seit Jahrhunderten für den Kampf um Leben und Tod gezüchteten Rassen für Schlagzeilen, wenn sie mal wieder einen Menschen anfallen, Artgenossen töten oder - wie am Neu-Ulmer Donauufer - ein Blutbad unter Schwänen anrichten, weil der Besitzer sie auf die großen Vögel gehetzt hat.
Eindruck schinden
Dabei wird - wie die Anhänger von Pitbull, American Staffordshire und Bullterrier selbst einräumen - ein solcher Hund nicht als Kampfmaschine geboren, sondern erst von seinem Halter dazu gemacht. Zuhälter, dubiose Geldeintreiber oder andere Personen aus dem zwielichtigen Milieu halten sich nach Erkenntnissen der Polizei solche Tiere, weil deren Gebiss meist mehr Eindruck beim Gegner macht als etwa eine Pistole. Diese Klientel hat nur ein Interesse an dem Tier: Dessen gesteigerte Aggressivität und seine Angriffslust. Ein Schoßhund erfülle diese Zwecke natürlich nicht.
"Kindermädchen?"
Aber es gibt auch jene, die einfach nur Gefallen an einem solche muskelbepackten Hund haben. Die fühlen sich seit jeher als Opfer des 1992 erlassenen Landesstrafverordnungsgesetz (LStVG), nachdem bloße Liebhaberinteressen nicht für die Genehmigung zum Halten eines solchen Tieres ausreichen. Dies treibt den Anhängern von Kampfhunden die Zornesröte ins Gesicht: "Der American Staffordshire gehört nachweislich zu den menschen- und kinderfreundlichsten Hunderassen weltweit. Im Ausland setzt man diese Rassen als Kindermädchen und Therapiehunde ein", schrieb gestern Frieder Haensch aus Langenau an die NUZ. Man könne jeden Hund jeder Rasse qualvoll zum Kampf trainieren. Neueste Studien der Technischen Hochschule Hannover und der Uni Berlin in Bezug auf das Aggressionsverhalten bei Hunden hätten ergeben, dass die "diskriminierten Hunderassen" nicht angriffslustiger und genauso ausgeglichen seien wie etwa ein Golden Retriever.
Andere Kampfhunde-Anhänger aus dem benachbarten Baden-Württemberg, legen sogar Statistiken vor, wonach Schäferhunde und andere große Hunde der nicht verbotenen Rassen weit gefährlicher seien wesentlich häufiger durch Biss-Attacken gegen Mensch und Tier aufgefallen seien. Der Deutsche Schäferhund und seine Mischlinge führe seit 1968 die Beißstatistik an.
"Lächerlich"
Behauptungen, die Alfred Degant vom Schäferhundeverein Weißenhorn als "lächerlich" bezeichnet. Die Statistiken lieferten ein verfälschtes Bild, weil es in Deutschland 20 bis 30 mal mehr Schäferhunde als Kampfhunde gebe. und auch alle Mischlingsrassen fälschlicherweise als Schäferhunde bezeichnet würden.
Degant, der mit seinem Hund schon an Weltstmeisterschaften teilgenommen hat und dessen Sohn fünffacher deutscher Meister bei Schäferhundeprüfungen geworden ist, weist derartige pauschalierte Aussagen der Kampfhundefans energisch zurück. Problem in der ganzen Kampfhunde-Debatte seien "die Sorte von Leuten die sich solche Tiere als Statussymbol und zur eigenen Profilierung kaufen". Den Kampfhunden sei ihr e Beißwütigkeit angeboren, während der Schäferhund gezielt als Gebrauchs-und Sporthund gezüchtet werde, damit er zur Rauschgift und Menschensuche eingesetzt werden könne. Degant: "Dem Schäferhund ist das Schützen und Hüten angeboren - nicht das Töten." Ein Kampfhund in den falschen Händen könne dagegen wegen seiner äußerst geringen Reizschwelle eine "gefährliche Waffe sein", ist Degant überzeugt. Immerhin brächten Kampfhunde einen Beißdruck von einer Tonne auf ihr messerscharfes Gebiss. In der Hundeschule der Weißenhorner Schäferhundevereins würden derartige Tiere gar nicht erst aufgenommen - es sei denn, es handelt sich noch um Welpen. Ein älteres Tier könne nämlich kaum noch therapiert werden. Generell befürwortet Degant die Kampfhundeverordnung, die Menschen vor solchen Bestien schützt.
Die Gegner des Kampfhundeverbotes lehnen sich jedoch seit Jahren auf gegen die in Bayern geltenden Gesetze, die es ihnen verbieten, Hund zu halten, die ein gesteigertes. Aggressionspotential haben. Sie sprechen gar von "Rassenverhetzung" und "Diskriminierung" einzelner Hunde.
Traumatisierte Opfer
Andere hingegen, die sich von solchen Kampfmaschinen bedroht fühlen, gehen die Verordnungen gar nicht weit genug. Sie sähen es lieber, wenn auch noch Rottweiler, American Bulldog und Mastiff verboten würden., weil auch sie jederzeit ausrasten könnten. Im Unterschied zum Schäferdhund und anderen großen Hunden seien Bisswunden von jenen Rassen, die gezielt für den Kampf um Leben und Tod gezüchtet wurden, wesentlich schlimmer, die Opfer oft jahrelang traumatisiert: "Wenn sich die einmal in ihr Opfer verbissen haben, lassen die nicht mehr los", berichtet ein Experte, der sich seit Jahren mit den Folgen von Attacken derartiger Hunde beschäftigt.
Größtes Problem sind in den Augen von Experten in aller Regel die Halter selbst: "Die meisten kaufen sich diese teuren, auf Kampf ausgerichteten ja aus ganz bestimmten Gründen - sie wollen damit ihr oft unterentwickeltes Ego aufpolieren und Eindruck schinden", sagt ein langjähriger Hundehalter, der eine Eignungsprüfung für Besitzer solcher Tiere fordert. "In den meisten Fällen wäre eine Wesensprüfung beim Halter viel wichtiger als beim Hund."