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Autor Thema: Gefährliche Vierbeiner
Dogangel
Dogangel
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Berlin (ddp). Im niedersächsischen Holzminden greift bei einer Geburtstagsfeier ein frei umherlaufender Hund einen vierjährigen Jungen an und verletzt ihn im Gesicht. Nach Polizeiangaben soll es nicht das erst Mal gewesen sein, dass der Golden Retriever einen Menschen angriff. Im baden-württembergischen Calw stürzt sich ein Schäferhund auf einen spielenden Achtjährigen und fügt ihm schwere Verletzungen zu.

Seit vor fünf Jahren der sechsjährige Volkan in Hamburg auf einem Schulgelände von Kampfhunden totgebissen wurde, reagiert die Öffentlichkeit sensibel auf derartige Nachrichten. Nach dem Tod des Jungen am 26. Juni 2000 wurden die Haltungsbedingungen für gefährliche Hunde verschärft - zuerst in einzelnen Ländern, dann per Bundesgesetz.

Ob dies Wirkung zeigte, bleibt unklar, denn Statistiken gibt es nicht. Die Geschäftsführerin des Deutschen Kinderschutzbundes, Gabriele Wichert, hat zwar den Eindruck, dass die Zahl der Hunde-Attacken auf Menschen in den vergangenen Jahren bundesweit zurückgegangen ist. Verordnungen seien aber «nur so gut, wie ihre Wirksamkeit kontrolliert» werde, sagte sie in einem ddp-Interview. Dazu gehöre, dass die Länder regelmäßig über die Entwicklung von Beißvorfällen mit Hunden die Öffentlichkeit informierten.

Die fehlende Statistik sei ein «großes Dilemma», kritisiert auch der Verband für das Deutsche Hundewesen. Obwohl das Bundesverfassungsgericht in einem Verfahren vor eineinhalb Jahren dies auch bemängelt habe, «ist bis heute in dieser Richtung nichts passiert», sagte Hauptgeschäftsführer Bernhard Meyer.

Lediglich für Berlin gibt es gesicherte Erkenntnisse: Hier ist die Zahl der Hunde-Attacken in fünf Jahren um fast die Hälfte zurückgegangen. Während 1999 noch 1816 Menschen gebissen oder angefallen wurden, waren es im Vorjahr 976, geht aus einer Studie der Freien Universität (FU) hervor. Grund dafür sei die erhöhte Wachsamkeit der Hundehalter.

Die nach der Tragödie von Hamburg erlassene Verordnung trug allerdings weniger zum Rückgang der Beißvorfälle bei. «Die als gefährlich gelisteten Kampfhunde waren an lediglich 3,4 Prozent aller Zwischenfälle beteiligt», sagte FU-Wissenschaftlerin Franziska Kuhne. Dagegen seien die in Berlin nicht als gefährlich eingestuften Schäferhunde und Rottweiler 2003 im Verhältnis genauso auffällig gewesen wie Pitbull und American Staffordshire Terrier.

Diese Einschätzung wird auch von Experten geteilt. Danach beißen Mischlinge und Deutsche Schäferhunde am meisten zu. Ob eine Rasse generell gefährlich sei oder nicht, lasse sich derweil nicht festlegen. «Es ist immer eine Frage des Halters und der Sozialisation», sagt Tierärztin Kuhne.

Schätzungen zufolge gibt es 5,2 bis 5,5 Millionen Hunde in Deutschland, wie Bernhard Meyer vom Hundeverband sagt. Jedoch nur ein «kleiner Teil» der Hundehalter lege ein kriminelles Verhalten an den Tag und bringe die vielen verantwortungsbewussten Tierliebhaber in Misskredit. Deshalb plädiert er für strenge Kontrollen in Parks oder Grünanlagen, damit «gesetzwidrig handelnde Hundehalter zur Kasse gebeten» werden. «Die Bevölkerung hat ein Problem mit Hundehaltern, nicht aber mit Hunden», sagte der Experte.

Ein guter Ansatz, Beißvorfälle zu reduzieren, sind nach Ansicht von Kuhne bessere Kenntnisse bei den Hundehaltern. Ein entsprechendes Engagement der Besitzer könnte etwa mit einer Hundesteuerermäßigung honoriert werden.

Gesetzesverschärfungen, die einen absoluten Leinenzwang für alle Hunde, wie jetzt in Hamburg vorsehen, oder bestimmte Rassen als gefährlich einstufen, helfen letztlich nicht, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung zu erhöhen, betont der Verband für das Deutsche Hundewesen. Der bayerische Tierschutzbund kritisiert den generellen Leinenzwang für Hunde als «unsinnigen Aktionismus». Vize-Präsident Berthold Merkel verfolgt vielmehr das Ziel: «Spielregeln statt Verbote», denn «Hunde sind Lauftiere».


23. Juni 2005
http://de.news.yahoo.com/050623/336/4lbq5.html

Beiträge: 11085 | Von: Hamburg | Registriert seit: Sep 2002  |  gespeichert: 213.39.160.136 | Diesen Beitrag einem Moderator melden
   

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