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Autor Thema: Wenn der Liebling anderen Ärger macht
Dogangel
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25.06.2005
HAUFEN UND IHRE WIRKUNG In Gemeinden im Raum Naila gibt es immer wieder Beschwerden wegen Hundekots auf Gehsteigen und Wiesen

VON CLAUDIA SEBERT

Hunde gelten als die besten Freunde des Menschen. Doch es gibt auch Bürger, die mit den Vierbeinern gewaltig auf Kriegsfuß stehen. Der Grund für die Feindschaft liegt auf der Hand – oder besser gesagt häufig dort, wo er nicht hingehört: stinkend braun auf dem Gehsteig, in Nachbars Garten oder auf Futterwiesen. Wir fragten bei Bürgermeistern im Raum Naila nach, ob es Ärger mit Hunden, Haufen und Haltern gibt und wie man ihn lösen könnte. Denn in manchen Orten scheint der Streit zu eskalieren. So befürchten Tierfreunde aus Selbitz, dass ihre Lieblinge wegen der verhassten Hinterlassenschaften vergiftet wurden.

NAILA – Wenn Bello und Fifi ihr Geschäft erledigen müssen, so werden sie in Naila meistens in der Selbitztalstraße oder in Richtung Dreigrün ausgeführt. „Die Strecken sind besonders beliebt“, weiß Bürgermeister Frank Stumpf. Bleiben die Haufen anschließend jedoch in Vorgärten oder auf Gehwegen liegen, hört für das Stadtoberhaupt der Spaß auf. „Da versteht man, dass Grundstücksbesitzer sauer werden.“ Schließlich müsste jeder Hundehalter wissen, dass es im Rathaus Beutel zu kaufen gibt, mit denen man die Haufen aufsammeln und entsorgen kann.

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Bußgeld bis 500 Euro

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Geschieht das nicht, hat die Stadt die Möglichkeit, dem nachlässigen Hundefreund ein empfindlich hohes Bußgeld aufzubrummen. Bis zu 500 Euro kann es kosten, wenn der Vierbeiner zum wiederholten Mal den Gehsteig verunreinigt. Doch dazu muss man Hund und Halter erst einmal erwischen. „Wir gehen nicht gezielt auf die Suche, es gibt also keine Hundepolizei, aber wenn wir einen Hinweis aus der Bevölkerung erhalten, wird das Ordnungsamt der Sache nachgehen“, erklärt Stumpf. Die städtischen Mitarbeiter wüssten außerdem Bescheid und hielten die Augen offen. Erst kürzlich habe man zwei Hundehalter erwischt und sie aufgefordert, die Haufen zu beseitigen. „Oft fehlt das Verständnis“, beklagt der Bürgermeister, betont aber auch, dass es Einsichtige gibt.

Nächstes Jahr möchte die Stadt versuchsweise ein „Hundeklo“ an der Selbitztalstraße oder am Bahnhof aufstellen. Aus dem Automat können Herrchen und Frauchen Beutel nehmen und sie – gut gefüllt – in den integrierten Abfalleimer werfen.

In Schwarzenbach am Wald gibt es bereits ein solches „Klo“ in der Schützenstraße, Abzweigung Scheunenweg. Und es wird – wie zweiter Bürgermeister Matthias Wenzel sagt – gut angenommen. Das merken die Bauhofmitarbeiter immer, wenn sie einmal in der Woche den Inhalt des Mülleimers entsorgen. Da kommt einiges zusammen.

Besonders beliebt zum Gassigehen sind in Schwarzenbach der Stadtrundweg Richtung Deuta sowie der Weg Richtung Schlag. Und trotz „Hundeklo“: „Es gibt immer wieder Beschwerden von Bürgern“, erklärt Wenzel, doch das Problem sei, dass man ohne Namen niemanden haftbar machen könne. Auch Landwirte, besonders aus Straßdorf, hätten sich über Hundekot auf ihren Wiesen beklagt.

„Das Problem gehört abgeschafft“, findet der zweite Bürgermeister und weiß auch schon wie: „Man muss an die Hundehalter appellieren, wenn jeder Müllbeutel dabei hätte und den Kot aufsammeln würde, wäre die Sache schon erledigt.“

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Beliebte Gassi-Plätze

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In Geroldsgrün ist man laut Bürgermeister Helmut Oelschlegel dazu übergangen, die auffällig nachlässigen Hundehalter direkt anzuschreiben. „Dann ist es auch besser geworden.“ Als beliebtester Platz für die Hundetoilette hat sich der Kirchweg erwiesen – Beschwerden von Bürgern bleiben nicht aus. „Aber es hält sich im üblichen Rahmen“, sagt Oelschlegel und erklärt, dass die Gemeinde noch kein Bußgeld verhängen musste.

Auch in Bad Steben scheinen die Hundehalter recht einsichtig zu sein. Vielleicht auch deshalb, weil es im Kurpark – dem Anlaufpunkt Nummer eins – „Hundeklos“ gibt. „Das Problem ist latent vorhanden, aber es hält sich in Grenzen“, erklärt Bürgermeister Bert Horn.

Er weiß aber, dass sich die Sache mit den Ausscheidungen der Vierbeiner in Einzelfällen ganz schön hochspielen kann, wenn zum Beispiel zwei Nachbarn im Streit liegen. Bert Horn hält es für den besten Weg, die Hundehalter – soweit bekannt – direkt anzusprechen. „Das bringt mehr als ein Brief“, sagt er und fügt an: „Ein Bußgeld wäre das letzte Mittel.“

Zum Äußersten muss hingegen die Stadt Selbitz greifen: Weil ein Hundehalter, der wiederholt negativ aufgefallen ist, das Bußgeld von 100 Euro nicht bezahlen will, soll jetzt die Justiz nachhelfen. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden spricht Bürgermeister Klaus Adelt von erheblichen Beschwerden, die ihn wegen des Hundekots in Selbitz erreichen. „Man kann sagen, 80 Prozent der Hundehalter sind in Ordnung und der Rest überlegt sich einfach nichts.“ Soll heißen: Besonders in der Brunnenstraße, am Anger und auf dem Radweg Richtung Weidesgrün bleiben die braunen „Tretminen“ häufig liegen.

Klaus Adelt kann den Ärger vieler Grundbesitzer verstehen, wenn ihr Areal immer wieder als Klo herhalten muss und vielleicht noch Kleinkinder Gefahr laufen, die Häufchen in die Hände zu bekommen. Für die Bauhofmitarbeiter sei es ebenfalls nicht besonders angenehm, wenn ihnen beim Mähen mit der Motorsense die stinkenden Klümpchen nur so um die Ohren fliegen. Dem städtischen Personal zuliebe habe man vor acht Jahren auch die Hundeklos abgeschafft. Denn das Leeren der Abfallbehälter sei nicht mehr zumutbar gewesen.

Weil man einen Hundehalter nur zur Rechenschaft ziehen könne, wenn er bekannt sei, war Klaus Adelt für Hinweise und sogar Beweisfotos dankbar, derentwegen sich jener nachlässige Bürger bald vor Gericht verantworten muss.

Doch selten könne man die Übeltäter benennen. „Meist ist es so, dass die Leute mit dem Auto auf den Luitpoldplatz fahren, den Hund aussteigen lassen und dann wieder wegfahren. So sieht man nicht, wer es war.“

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Wessen Hund war‘s?

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Der Bürgermeister, der sich als großer Hundefreund bezeichnet und gerne selbst einen Vierbeiner hätte, appelliert an die Vernunft von Hundehaltern: Sie sollten den Kot verräumen und die Tiere lieber an Hängen oder Rändern ihr Geschäft verrichten lassen, anstatt mitten in Feldern oder Wiesen. Denn Klaus Adelt kennt die massiven Beschwerden einiger Landwirte, die ihren Kühen kein mit Hundekot verunreinigtes Futter geben wollen.

Den Ärger der Bauern bestätigt Friedbert Lauterbach vom Amt für Landwirtschaft in Münchberg. Sie würden sich um die Gesundheit ihrer Kühe sorgen, besonders wegen des Parasits Neospora caninum, der bei Kühen Totgeburten oder vorzeitige Abgänge auslösen kann. Der Parasit bedient sich der Hunde als Wirt und kann so von ihnen übertragen werden.

Außerdem bemängeln die Bauern nach Aussage von Lauterbach, dass sie sich in Wasserschutzgebieten an strenge Auflagen wegen der organischen Düngung halten müssen, während das Hundehaltern egal ist.

„Das Problem mit dem Hundekot ist weit verbreitet“, sagt Lauterbach und weiß, dass besonders die Wiesen nahe der Ortschaften als Klo benutzt werden. „Leider werden die Hunde auch immer größer und dementsprechend auch die Haufen. Große Kälber sind in Mode.“

Der Experte vom Landwirtschaftsamt hat jedoch eine Idee, wie man das Problem mit den Haufen lösen könnte. „Dazu müssten aber alle guten Willens sein“, setzt er voraus und erklärt, dass es in München im Englischen Garten eine strikte Trennung zwischen Hunde- und Liegewiese gibt. Der Hundebereich werde auch gemäht und der Dreck bleibe als Dünger liegen.

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Gefahr für die Kühe

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Friedbert Lauterbach könnte sich durchaus vorstellen, dass die Kommunen eine Wiese von Landwirten anpachten – „schließlich nehmen sie auch Hundesteuern ein“ – und sie dann den Tierfreunden als spezielle Hundewiese zur Verfügung stellen. Das Gras könnten die Landwirte gegen Bezahlung auch mähen und würden es dann aber nicht zum Füttern verwenden.

Ansonsten stünden die Bauern dem Problem Hundekot machtlos gegenüber. „Man muss schon genau nachweisen können, wer seinen Hund auf das Feld lässt und das ist schwierig“, erklärt Lauterbach.

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Hundemörder?

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In Selbitz befürchten jedoch einige Bürger, dass Hundehasser jetzt ein Mittel gefunden haben, um die ungeliebten Zeitgenossen loszuwerden, und zwar wahllos mit Giftködern. Carmen Adam hat erst vor kurzem ihren zehn Jahre alten Mischling „Robin“ verloren. Wie sie erzählt, ließ sie ihn nachts in den Garten und am nächsten Tag konnte er nicht mehr aufstehen. „Er ist kläglich verendet“, sagt die Hundefreundin und tippt auf Rattengift, das ihr Liebling im Garten oder beim Spaziergang auf dem Garlesweg erwischt haben könnte. „Ich habe einen Züchter gefragt und er meinte, dass die Anzeichen für eine Vergiftung sprechen.“

Eine Vergiftung hält auch ein Tierarzt für möglich, der den zwei Jahre alten Mischling „Sammy“ der Familie Franz aus Selbitz untersucht hat. „Ich habe aber keine Obduktion machen lassen und kann es deshalb auch nicht 100-prozentig beweisen“, erklärt Heiko Franz.

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„Da war was faul“

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Drei Tage nach einer Routine-Kastration beim Tierarzt habe „Sammy“ Herzrasen und 42 Grad Fieber bekommen, außerdem habe die Wunde nicht aufgehört zu bluten. Selbst Antibiotika hätten nichts geholfen und das junge Tier sei eingegangen. „Er hat noch 24 Stunden nach dem Tod geblutet. Ich glaube felsenfest, dass da was faul war“, sagt Heiko Franz. Von Nachbarn habe er erfahren, dass schon mehr Hunde vergiftet wurden.

Carmen Adam kann nicht verstehen, wer zu so etwas fähig ist. Ihre Kinder hätten schrecklich unter dem Tod des Tieres gelitten. Außerdem hält sie die Vorgehensweise für völlig sinnlos. „Wer einmal auf den Hund gekommen ist, schafft sich auch mit Sicherheit wieder einen an.“

Genau wie die Familie Franz. Und Heiko Franz ist sich sicher: „Wenn unser nächster Hund wieder stirbt, werde ich eine Obduktion vornehmen lassen.“

Ein Hund in der frisch gemähten Wiese: Für Landwirte kein schöner Anblick, schließlich müssen sie damit rechnen, dass das Futter für ihre Kühe mit Hundekot verunreinigt wird FOTO: cs


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