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Polizei beendet Drama in Neinstedt mit Fangschuss - Anzeige gegen Tierquäler
VON Detlef Valtink, 29.06.05 Neinstedt/MZ. Unverständnis, Wut und Empörung haben die Menschen in der Neinstedter Marienstraße erfasst. In der von schmucken Ein- und Zweifamilienhäusern gesäumten Straße in dem 2 100-Einwohner-Ort im Landkreis Quedlinburg kennt man sich und hilft untereinander. "Hätte mein Schwager mich nicht zurückgehalten, wäre ich auf den Tierquäler losgegangen", erzählt ein Nachbar. Klaus S. und Norbert H. (Namen von der Redaktion geändert) erlebten am Montagnachmittag mit, wie die kleine schwarze, kurzhaarige Pudelmischling-Hündin "Susi" qualvoll zugrunde gerichtet wurde.
"Gegen 16.15 Uhr habe ich ein herzzerreißendes Schreien, ein fürchterliches Quieken und Fiepsen gehört und sofort nachgeschaut", erzählt Klaus S. Er sieht seinen Nachbarn W., ein Brett in der linken Hand, mit dem er den Pudel auf den Boden drückt, und mit einem Küchenmesser in der
rechten Hand. "Dann", so Klaus S., "legte er das Messer beiseite und schlug mit dem Brett mehrfach auf den kleinen Hund ein." Auf sein Einschreiten reagiert der Nachbar mit der Drohung: "Wenn du hier runterkommst, zeige ich dich an!"
Klaus S. informiert die Polizei. Die Beamten treffen nach wenigen Minuten ein, der Hund ist inzwischen vergraben. Nach Rücksprache mit dem Amtstierarzt soll der "Kadaver" freigelegt und abtransportiert werden. Klaus S.: "Was dann passierte, verfolgt mich in meinen Träumen." Der 71-jährige Nachbar schaufelt das Grab auf. "Mensch, das Tier lebt noch", schreit einer der Polizisten auf. S.: "Pfötchen und Kopf haben sich noch bewegt. Das Tier hat geschrien wie am Spieß." Nach Absprache mit dem Tierarzt erlösen die Polizisten die Hündin mit einem Fangschuss von seinen Schmerzen.
Der 82-jährige Besitzerin soll unterdessen zusätzliche Trauer um ihren Hund erspart bleiben: Sie wurde in dem Glauben gelassen, Susi sei vom Tierarzt eingeschläfert worden. "Oma Kohl", wie sie in der Marienstraße genannt wird, ist gehbehindert. Die Diakonie hat ihre Pflege übernommen. Die Nachbarn kümmerten sich um Susi. Alle kannten die siebenjährige Hündin als umgängliches und liebes Tier.
Das sieht der 71-jährige W., der dem Hund so schwer zusetzte, völlig anders: "Susi hat Pflegekräfte angegriffen und die Oma schon mehrfach zu Fall gebracht." So sei festgelegt worden, "dass der Hund weg muss", erklärt W. Anfragen bei Tierheimen seien erfolglos geblieben. W. wollte den Hund einschläfern lassen - am Montag um 17 Uhr in einer Thalenser Tierarztpraxis.
Als er mit dem Schlüsselbund gerasselt habe, "kam Susi sofort angesprungen. Wurde aber aggressiv, wenn sie von Frauchen weg musste. Ich hatte Mühe, mich zu wehren" schildert W. die Ereignisse jenes Nachmittags. "Um mir nicht die Beine zerfleischen und die Hose zerreißen zu lassen, habe ich dem Tier eine runtergehauen und es in den Kofferraum gelegt." In der Hektik habe er aber den Autoschlüssel vergessen. Als er den Hund bei seiner Rückkehr noch immer so still und friedlich im Kofferraum liegen sah, habe er gedacht, Susi sei tot. W. legt das betäubte Tier in ein bereits ausgegrabenes Loch in den Hinterhofgarten. "Dann wurde Susi plötzlich wieder munter. Ich habe ihr noch eine verpasst und war mir sicher, dass sie jetzt wirklich tot ist", sagt W.
Gegen W. ist inzwischen eine Anzeige wegen Tierquälerei erstattet worden, die Polizei ermittelt.