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Interview: Staatsrat Wersich zur Kritik am Finanzgebaren des Tierschutzvereins. Bekommt Poggendorfs Verein künftig Konkurrenz? Wersich regt eine Kooperation mit Tierheimen außerhalb von Hamburg an.
Von Ulrich Gaßdorf
Die Forderung nach der Offenlegung der Finanzen des Hamburger Tierschutzvereins (HTV) um den Vorsitzenden Wolfgang Poggendorf wird immer lauter. Nachdem bereits CDU-Bürgerschaftsabgeordnete und der Bund der Steuerzahler vom HTV mehr Transparenz gefordert hatten, nimmt nun erstmalig auch der zuständige Gesundheitsstaatsrat Dietrich Wersich (41, CDU) im Interview mit dem Hamburger Abendblatt zu dieser Forderung Stellung.
Außerdem spricht Staatsrat Wersich zum ersten Mal über die Möglichkeit, auch andere Tierheime in Hamburg und Umgebung bei der Versorgung und Behandlung von Fundtieren miteinzubeziehen. Bisher liegt dieses alleine beim Hamburger Tierschutzverein.
ABENDBLATT: Sollte der Hamburger Tierschutzverein (HTV) seine Finanzen offenlegen, so wie es aus Reihen der Politik und dem Bund der Steuerzahler gefordert wird?
DIETRICH WERSICH: Diese Forderung ist nachvollziehbar. Der HTV sollte seine Einnahmen und Ausgaben offenlegen und zukünftig einen Verwendungsnachweis über die Zuschüsse der Stadt erbringen. Das liegt vor allem auch im Sinne der Steuerzahler, die diese Zuschüsse finanzieren. So läßt sich nämlich auch die Wirtschaftlichkeit der Arbeit des HTV nachvollziehen.
ABENDBLATT: Warum halten Sie es gerade jetzt für einen guten Zeitpunkt, daß der HTV seine Finanzen offenlegt?
WERSICH Wir befinden uns vor Neuverhandlungen mit dem HTV. Gleichzeitig haben sich in der Öffentlichkeit die Hinweise gehäuft, daß der HTV mit den Leistungen, die er von der Stadt erhält, teilweise noch zusätzliche Einnahmen generiert. Beispielsweise bekommt der HTV für Fundtiere Geld und nimmt dann bei der Weitervermittlung wieder Geld von den neuen Haltern.
ABENDBLATT: Der HTV betont immer wieder, daß die städtischen Zuschüsse nicht ausreichen, um kostendeckend zu arbeiten. Ist eine Erhöhung der Zuschüsse denkbar?
WERSICH: Wir können nicht mehr Geld ausgeben. Außerdem ist es schwer nachvollziehbar, daß der HTV für die Versorgung einer Katze 360 Euro im Monat veranschlagt, während der Sozialhilferegelsatz für ein Kind nur 207 Euro im Monat beträgt. Es ist für die Öffentlichkleit auch schwer zu vermitteln, daß der HTV für bezuschußte Tiertransporte 69 Euro verlangt und Krankentransporte in Hamburg schon ab 35 Euro durchgeführt werden können. Gerade deshalb brauchen wir mehr Transparenz.
ABENDBLATT: Wird der HTV weiterhin für die Versorgung von Fundtieren der einzige Partner für die Stadt sein?
WERSICH: Wir möchten gemeinsam mit dem HTV und den zahlreichen Tierheimen in Hamburg und Umgebung darüber reden, ob es in Zukunft die Möglichkeit für ein kooperatives Netzwerk gibt. So würden wir davon wegkommen, daß einer alles machen muß.
ABENDBLATT: Welche Vorteile würde ein solches kooperatives Netzwerk bieten?
WERSICH: Ein ganz klarer Vorteil liegt darin, daß die vielen schwierigen tierschutzrechtlichen Aufgaben in Hamburg so auf mehrere Schultern verteilt werden könnten. Mit dem Ziel eine bestmögliche Versorgung der Tiere zu erreichen, bei bestmöglicher Wirtschaftlichkeit.