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Streit: Die American-Staffordshire-Hündin fiel im April 2004 durch Wesenstest. Interview mit Christiane Rohn, Betreiberin des Gnadenhofs in Baden-Württemberg.
Von KARSTEN BROOCKMANN
Nach 15 Monaten im Hamburger Tierheim wurde die American-Staffordshire-Hündin Sugar Ende Juli auf den Gnadenhof des Vereins Lebenswürde für Tiere e. V. in Amtzell (Baden-Württemberg) gebracht. Dort, so Betreiberin Christiane Rohn (36), verhielt sich das Tier schon nach kürzester Zeit normal. Das Abendblatt sprach mit ihr.
ABENDBLATT: Frau Rohn, in Hamburg galt Sugar als hochgefährlich. Jetzt spielt sie sogar mit Kindern. Wie erklären Sie sich die Diskrepanz?
CHRISTIANE ROHN: Für mich ist der Unterschied, daß der Hund hier Sicherheit und Halt bekommen hat. Bei der langen Isolation im Hamburger Tierheim fehlte eine Leitfigur. Das ist bei Sugars Trennungsangst verheerend.
ABENDBLATT: Was haben Sie mit Sugar gemacht?
ROHN: Das Schlimme ist, daß man gar nicht viel machen mußte. Ich habe Sugar praktisch liebgekuschelt. Was sie brauchte, war Halt und das Wissen, da ist jemand. Sugar ist eigentlich ein sehr souveräner Hund, der zutiefst verunsichert war. Was sie braucht, ist eine Bezugsperson. Ich werde sie nicht weitervermitteln, sondern behalten.
ABENDBLATT: Haben Sie Sugar noch einmal getestet?
ROHN: Noch nicht offiziell. Meiner Meinung nach könnte sie den Test aber jederzeit bestehen. Ich möchte ihr nur ein wenig Zeit geben. Wir haben Sugar aber schon nach einer Woche bei uns auf dem Hof mit Babygeschrei und Kinderwagen sowie Maulkörben konfrontiert. Sie hat sich umgedreht und wollte weggehen. Außerdem haben wir geguckt, was passiert, wenn jemand stolpert. Sugar hat nicht reagiert. Sie ist sehr menschenfreundlich.
ABENDBLATT: Wie lebt der Hund bei Ihnen?
ROHN: Völlig integriert. Sugar schläft im Haus, begleitet mich zur Arbeit. Sie spielt mit meinen Hunden im Garten, ist aber auch dabei wenn ich mit Pferden arbeite. Wenn wir den Hof verlassen, muß sie in Baden-Württemberg einen Maulkorb tragen. Die Angst davor habe ich ihr mit Lob, Motivation und Leckerli ein wenig nehmen können. Bei den Tests hat sie ja ständig versucht, die Maulkörbe abzustreifen. Ich habe ihr beigebracht, daß der Maulkorb nicht so schlimm ist.
ABENDBLATT: Haben Sie Angst, wenn Sugar mit Kindern allein ist?
ROHN: Ich würde Sugar - wie jeden anderen Hund auch - nie mit Kindern allein lassen.
ABENDBLATT: Glauben Sie, daß Sugar im Hamburger Tierheim gequält worden ist und deshalb so aggressiv war?
ROHN: Das kann ich absolut nicht beurteilen.
ABENDBLATT: Was wurde in Hamburg falsch gemacht?
ROHN: Ich denke, Sugar wurde nicht als Individuum gesehen. Ihre Ängste, besonders die Trennungsangst, wurden als Aggression gedeutet. Man hat den Hund falsch interpretiert.