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Tierschutzverein - so wurde er Miteigner von Herbertstraßen-Häusern
Bilanzen: Millionen im Wertpapier-Depot. Erbschaften und Spenden - interne Papiere belegen, wie die Organisation zu einer finanzstarken Institution in Hamburg wurde. Herbertstraße, Hausnummer 10 und 12: Hinter den Spezialfenstern sitzen Prostituierte, wie überall an der weltbekannten Bordell-Straße. Doch hinter diesen Hausnummern steckt auch eine andere Geschichte:
Ein Tierfreund war Miteigentümer der beiden Immobilien. Der kinderlose Kurt W. vermachte schließlich seinen Anteil an der "Gebäude- und Freifläche" Nummer 10 und 12 mit einer Grundfläche von 379 Quadratmetern dem Hamburger Tierschutzverein. Im Tierschutzverein war Vogelfreund Kurt W. (Spezialität: Wellensittiche) seit 1971.
Unter dem Datum 9. Juli 1998 wird im Grundbuch auf Blatt 1128 angezeigt, daß der "Hamburger Tierschutzverein e. V." den Anteil am Grundstück mit der laufenden Nummer 1 übernommen hat.
Gut 25 000 Euro pro Jahr kassierte der Verein dann als sogenanntes Nutzungsgeld von den Betreibern der Bordelle, mit deren Betrieb der Hamburger Tierschutzverein nichts zu tun hatte. Am 15. Januar 2001 wechselte der Anteil des Tierschutzvereins an der Herbertstraßen-Immobilie den Besitzer. Eigentümerin wurde laut Grundbuch eine Immobiliengesellschaft, die zum Teil von einem der "Dollhouse"-Betreiber kontrolliert wird.
Über den Kaufpreis für den Immobilienanteil auf Deutschlands sündigster Straße schweigt Wolfgang Poggendorf, Geschäftsführer des Tierschutzvereins. "Das sind Vereinsinterna", sagte er auf Nachfrage dem Hamburger Abendblatt.
Spenden und Erbschaften wie im Fall Herbertstraße sowie staatliche Zuschüsse für das vom Verein betriebene Tierheim an der Süderstraße machen den Tierschutzverein zu einer durchaus finanzkräftigen Institution.
Das Barvermögen betrug so Ende 2002 genau 4,8 Millionen Euro. Das geht aus einer vereinsinternen Aufstellung hervor, die dem Hamburger Abendblatt vorliegt.
Im Wertpapierdepot lag im Jahr 2002 ein Vermögen von genau 3,1 Millionen Euro. Andere Vermögenswerte beliefen sich auf 1,7 Millionen Euro. Zahlen für 2003 und 2004 wollte Wolfgang Poggendorf dem Hamburger Abendblatt nicht nennen.
Der Betrieb des Tierheims an der Süderstraße kostete im Jahr 2002 jährlich 5,47 Millionen Euro. Davon entfallen 2,8 Millionen Euro auf die Personalkosten. Die Gesundheitsbehörde bezuschußt seit 2003 das Tierheim pauschal mit jährlich 1,1 Millionen Euro - das ist der höchste Zuschuß, den ein Tierheim in Deutschland erhält. Der Vertrag gilt bis 2006, dann wird neu verhandelt. Das erklärte die Hamburger Gesundheitsbehörde
Zuletzt waren der Hamburger Tierschutzverein und sein Geschäftsführer Wolfgang Poggendorf wegen angeblich unsachgemäß durchgeführter Wesenstests im Tierheim an der Süderstraße in die Schlagzeilen geraten:
Der Rahlstedter Tierarzt Dr. Dirk Schrader, erstattete Strafanzeige, weil er nach eigenen Aussagen 15 im Tierheim negativ getestete Hunde eingeschläfert habe, die völlig in Ordnung waren. "Die Tests waren falsch. Die Hunde sollten durchfallen", glaubt er.
Eine Vermutung, die zum Teil von der Präsidentin der Hamburger Tierärztekammer, Barbara Schöning, und dem Rechtsanwalt Ulrich Wollenteit mitgetragen wird.
Bei mindestens zwei Wesenstests an der American-Staffordshire-Hündin Sugar seien massive handwerkliche Fehler gemacht worden. So sei der Halter nicht dabeigewesen, obwohl das inzwischen zu den Standards gehöre. Auf dem Gnadenhof des Vereins Lebenswürde für Tiere e. V. in Amtzell (Baden-Württemberg hat sich Sugar offenbar zu einen Kuscheltier entwickelt, das mit Kindern spielt. Auch der Halter von Sugar hat mittlerweile Strafanzeige gestellt.