Süderstraße: Neue Kritik an Tierheim-Geschäftsführer Wolfgang Poggendorf. Vorwurf: Mit Eisenstange so lange gegen Käfig geschlagen, bis Tier fast rasend wurde. Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt.
Von Karsten Broockmann
Tierheim Süderstraße, Anfang September 2001: Am Ende der Anlage steht ein Mann und hält einen Stock in der Hand. Zwei Besucher werden aufmerksam, hören Lärm und beobachten den Mann. Immer wieder schlägt der Mann mit der Stange gegen einen Hundekäfig - so lange, bis der eingesperrte Hund fast rasend wird. Die Besucher gehen zu dem Mann und fragen nach dem Grund der Schläge. Er antwortet nicht.
Der Mann ist kein Besucher, auch nicht irgendein Tierpfleger. Es ist Wolfgang Poggendorf (68), der Geschäftsführer des Tierschutzvereins Hamburg. So berichten es die beiden Besucher, das Ehepaar T. Und so schildern sie es in einer eindesstattlichen Versicherung, die dem Hamburger Abendblatt vorliegt.
Ein ungeheuerlicher Vorwurf. Doch es gibt einen weiteren Fall aus dem Jahr 2000. Der passierte, als ein Fernsehteam Hunde im Tierheim an der Süderstraße filmen wollte.
In diesem Fall ging es um einen Hund, den Zeugen als "großen kurzhaarigen Mischling mit großem Kopf" beschreiben. Poggendorf habe so lange gegen die Gitter des Käfigs geschlagen, bis "der Hund sich heftig in das Eisengitter verbiß". Auch dieser Vorfall wird von einem der Zeugen in einer eidesstattlichen Versicherung geschildert.
Warum sollte der Tierheimchef so etwas getan haben? Kritiker, wie der Tierarzt Dirk Schrader, werfen Poggendorf vor, "das Bild von Tieren in der Öffentlichkeit für seine Zwecke zu manipulieren. Schrader zum Abendblatt: "In diesem Falle ging es Poggendorf darum, einen Hund als Bestie darzustellen."
Die Staatsanwaltschaft Hamburg hat nach einer Anzeige Schraders die Ermittlungen gegen Poggendorf aufgenommen. Sie prüft in diesem Fall, inwieweit die Beschuldigungen zutreffen, Poggendorf habe Schrader angeblich in betrügerischer Absicht veranlaßt, Hunde einzuschläfern. So steht es in der Anzeige des Tierarztes, der nach eigenen Angaben nach Querelen mit Poggendorf seine Mitgliedschaft im Tierschutzverein aufgab.
Schrader macht in seinen Vorwürfen geltend, daß fehlerhafte oder ungenügende Wesenstests bei Hunden als Begründung für das Einschläfern der Tiere vorgeschoben worden seien.
Was genau hinter den Vorwürfen steckt, ist nicht einfach herauszufinden. Denn in der Anzeige von Dr. Schrader steht auch, daß in jedem Fall Tötungsanordnungen der Hansestadt Hamburg vorgelegt wurden.
Geschäftsführer Wolfgang Poggendorf und der erste Vorsitzende des Hamburger Tierschutzvereins, Klaus Nahrstedt, waren gestern für Stellungnahmen nicht erreichbar.
In den vergangenen Tagen ist der Hamburger Tierschutzverein auch in die Kritik wegen finanzieller Geschäfte geraten, weil bekannt wurde, daß er vier Jahre lang Mieteinnahmen in der Herbertstraße erzielte.