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Prozeß: Streit um Poggendorf. Vorwurf: Manipulierte Wesenstests. Tierheim-Chef erwirkte einstweilige Verfügung. Sein Kontrahent legte Widerspruch ein.
Von Ralf Nehmzow
Auf Buttons haben sie ihre Meinungen gepreßt, ein paar Dutzend Tierfreunde, die zum Prozeß gekommen sind - die Hundelobby zeigt Präsenz. "Ich steh zu meinem Kampfschmuser" steht da etwa geschrieben oder: "Hunde in Hamburg - find ich gut". Es ist ein emotionaler Prozeß, verhandelt wird der Streit zwischen Wolfgang Poggendorf, Geschäftsführer des Hamburger Tierschutzvereins, und dem Tierarzt Dirk Schrader.
Hintergrund: Der Doktor der Tiere hatte sich unlängst kritisch über Poggendorf und umstrittene Tierheim-Praktiken im Umgang mit Hunden geäußert (wir berichteten). Poggendorf erwirkte beim Landgericht im Eilverfahren eine einstweilige Verfügung. Die verbietet Schrader einige der Äußerungen. Schrader legte Widerspruch ein, deswegen wird nun darüber verhandelt.
"Das ist hier keine politische Auseinandersetzung", stellt der Vorsitzende gleich am Beginn der Verhandlung klar, als einige Tierfreunde sich lauthals einmischen. Es gehe im Verfahren nicht darum, ob die Kritik an den Wesenstests richtig sei oder nicht, sondern es gehe um die Art der Auseinandersetzung. Im Klartext: Darf Schrader die betreffenden Aussagen machen oder nicht?
Als "Lügner und Betrüger" hatte Schrader den Tierheim-Chef bezeichnet. Und: Der Tierschutzverein sei "zu einer Tötungsanlage für ungewünschte Hunde im Auftrag der Hamburger Politiker verkommen". Im Tierheim würden Hunde "getürkten" Wesenstests unterzogen, um sie loszuwerden, Poggendorf trage hierfür "die alleinige Verantwortung". Zudem provoziere Poggendorf Tiere "mit perfiden und tierschutzwidrigen Methoden". So pflege der Tierheim-Chef mit einer Eisenstange gegen Käfige zu schlagen, um so das Aggressionsverhalten der darin verwahrten Tiere zu beeinflußen.
Poggendorf ist nicht gekommen, sein Anwalt Hartmut Reclam weist die Vorwürfe zurück. Schrader-Anwalt Jürgen Grauschopf: "Die Wesenstests sind fehlerhaft, wissenschaftlich nicht haltbar." Schrader ergänzt: Man habe mit den Tieren "irgendwelche Spielchen" gemacht, die der Öffentlichkeit als Wesenstests verkauft worden seien. "Die Methodik erinnerte mich eher an ein Boot-Camp der US-Marines als an einen Tierschutzverein."
Schraders Anwalt präsentiert eidesstattliche Versicherungen von Zeugen: Die wollen gesehen haben, wie Poggendorf an Gitterstäbe mit einer Eisenstange schlug. Anwalt Reclam dazu: Wenn Poggendorf mal "mit einem Stock" gegen Gitterstäbe von Käfigen geschlagen habe, dann nur, um die Aufmerksamkeit der Tiere zu bekommen. Das sei eine "übliche Verhaltensweise." Entscheidung: am nächsten Freitag.